Wie viele Arzneimittel sind in der Schweiz zugelassen?
Was ist eine Zulassung?
Eine Zulassung ist die behördliche Bewilligung von Swissmedic, ein bestimmtes Arzneimittel in der Schweiz in Verkehr zu bringen. Sie wird pro Präparat erteilt und trägt eine Zulassungsnummer. Verschiedene Dosisstärken desselben Präparats laufen unter derselben Nummer.
Swissmedic führt rund 6'800 zugelassene Humanarzneimittel in der Schweiz. Diese verteilen sich auf 334 Zulassungsinhaberinnen. Der weitaus grösste Teil sind Synthetika, gefolgt von Biotechnologika, homöopathischen Arzneimitteln und Phytoarzneimitteln. Tierarzneimittel und Medizinprodukte werden getrennt geführt und sind in dieser Zahl nicht enthalten.
Die Zahl der Zulassungen ist kein Mass für den Marktwert. Ein einziges Biologikum kann mehr Umsatz erzielen als hundert Generikazulassungen. Wer Marktmacht messen will, muss die Umsatzdaten und die Spezialitätenliste (SL) des Bundesamtes für Gesundheit heranziehen, nicht die Zahl der Zulassungsnummern.
| Heilmittelcode | Zulassungen | Anteil |
|---|---|---|
| Synthetika | 4'832 | 71 % |
| Biotechnologika | 538 | 8 % |
| Homöopathische Arzneimittel | 408 | 6 % |
| Phytoarzneimittel | 356 | 5 % |
| Allergene (Diagnostika und Therapeutika) | 253 | 4 % |
| Impfstoffe, Blutprodukte, Antivenine | 158 | 2 % |
| Übrige (Radiopharmazeutika, Transplantate, Antidota) | 224 | 3 % |
Wie konzentriert ist der Markt?
Der Schweizer Zulassungsmarkt ist stark konzentriert. Die zehn grössten Zulassungsinhaberinnen halten zusammen rund ein Drittel aller Zulassungen. Allein Sandoz Pharmaceuticals, Mepha Pharma und Spirig HealthCare kommen auf über 1'000 Zulassungen, überwiegend Generika und Selbstmedikation.
Am anderen Ende der Verteilung stehen über 150 Unternehmen mit weniger als fünf Zulassungen. Darunter sind Nischenanbieter der Komplementärmedizin, Parallelimporteure und Vertretungen ausländischer Hersteller, die nur ein einziges Präparat in der Schweiz führen.
- Top 3 Zulassungsinhaberinnen: über 1'000 Zulassungen zusammen, alle mit Generika- oder OTC-Schwerpunkt
- Top 10: rund ein Drittel aller Zulassungen
- Über 150 Unternehmen mit weniger als fünf Zulassungen
- 333 verschiedene Firmennamen erscheinen als Zulassungsinhaberin in der Swissmedic-Liste
Wo sitzen die Unternehmen?
Die Standorte konzentrieren sich auf vier Regionen. Basel-Stadt und Basel-Landschaft bilden mit Roche, Novartis und einem dichten Zulieferernetz den grössten Cluster. Zug und Zürich beherbergen die Schweizer Landesgesellschaften internationaler Konzerne. Die Genferseeregion mit Waadt und Genf ist biotech- und medizintechniklastig, das Tessin ist stark in Generika, Lohnherstellung und Sterilproduktion.
Auffällig ist die Rolle steuerlich attraktiver Kantone: Zug führt einen unverhältnismässig hohen Anteil an Landesgesellschaften und Holdings, während die eigentliche Produktion in Basel, Aargau, Solothurn, Wallis (Visp) und im Tessin stattfindet.
| Region | Schwerpunkt | Beispiele |
|---|---|---|
| Basel (BS/BL) | Originatoren, Forschung, Generika | Roche, Novartis, Mepha, Bachem |
| Zug und Zürich | Landesgesellschaften, Biotech | Sandoz, Novartis Pharma Schweiz, Molecular Partners |
| Genferseeregion (VD/GE) | Biotech, MedTech, CDMO | Ferring, Debiopharm, Medtech-Cluster Lausanne |
| Tessin (TI) | Generika, Sterilproduktion, CDMO | IBSA, Sintetica, Helsinn |
| Wallis (VS) | Wirkstoffproduktion | Lonza Visp |
| Ostschweiz (SG/TG/AR) | Phyto, OTC, Grosshandel | Max Zeller Söhne, Streuli, Hänseler |
Was bedeutet das für Marktteilnehmer?
Für einen ausländischen Hersteller heisst diese Struktur zweierlei. Erstens gibt es keinen freien Marktzugang ohne Schweizer Gegenpart: eine Zulassungsinhaberin muss Sitz oder Vertretung in der Schweiz haben. Zweitens ist der Markt klein genug, dass ein einzelner erfahrener Partner mehrere Rollen übernehmen kann.
In der Praxis kombinieren viele Markteintritte drei Bausteine: eine Schweizer Zulassungsinhaberin, eine Betriebsbewilligung für Einfuhr und Grosshandel sowie einen Logistikpartner mit GDP-Lager. Wer in die Spezialitätenliste will, braucht zusätzlich ein Preisdossier beim BAG mit Auslandpreisvergleich und therapeutischem Quervergleich.
- Zielsegment und Abgabekategorie bestimmen, denn davon hängen Werberecht und Vertriebskanal ab
- Schweizer Zulassungsinhaberin festlegen: eigene Gesellschaft oder ein bestehender Partner
- Betriebsbewilligung für Einfuhr, Grosshandel und, wenn nötig, Freigabe organisieren
- Pharmakovigilanzsystem mit Schweizer Kontaktperson aufbauen
- Bei Kassenpflicht: Preisdossier für die Spezialitätenliste beim BAG einreichen
Häufige Fragen
Wie viele Pharmaunternehmen gibt es in der Schweiz?
Als Zulassungsinhaberin von Humanarzneimitteln sind 334 Unternehmen bei Swissmedic eingetragen. Rechnet man Medizintechnik, Lohnherstellung, Grosshandel, Auftragsforschung und Regulatory-Beratung dazu, liegt die Zahl der relevanten Life-Science-Firmen deutlich höher. Dieses Verzeichnis führt aktuell über 400 Unternehmen.
Welches ist das grösste Pharmaunternehmen der Schweiz?
Nach Umsatz und Beschäftigung sind es Roche und Novartis, beide mit Hauptsitz in Basel. Nach Zahl der Swissmedic-Zulassungen führen dagegen Generikahäuser: Sandoz Pharmaceuticals, Mepha Pharma und Spirig HealthCare halten je über 300 Zulassungen.
Zählen Medizinprodukte zu diesen Zahlen?
Nein. Swissmedic führt Medizinprodukte nicht in der Arzneimittel-Zulassungsliste. Medizinprodukte unterliegen der Medizinprodukteverordnung (MepV) und werden über Konformitätsbewertung, Benannte Stellen und die Datenbank Swissdamed erfasst, nicht über eine Zulassungsnummer.
Wie aktuell sind diese Zahlen?
Die Zulassungszahlen stammen aus der Swissmedic-Liste der zugelassenen Präparate mit Stand September 2026. Swissmedic aktualisiert die Liste laufend; kleinere Abweichungen von wenigen Dutzend Zulassungen sind zwischen zwei Updates normal.