Warum entstand der Cluster genau in Basel?
Was ist die Basel Area?
Die Basel Area ist keine politische Einheit, sondern die Wirtschaftsregion der Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, gemeinsam vermarktet durch die Standortförderung BaselArea.swiss. Im Sprachgebrauch der Industrie wird die Region über die Landesgrenze hinaus gedacht: Elsass und Südbaden gehören zum Arbeitsmarkt.
Basel wurde zum Pharmastandort, weil es zuerst Chemiestandort war. Ab 1860 produzierten Firmen am Rhein synthetische Farbstoffe; Wasserkraft, Rheinhafen und die Nähe zu Frankreich und Deutschland machten den Standort logistisch attraktiv. Aus den Farbenwerken wurden Ciba, Geigy, Sandoz und Hoffmann-La Roche.
Zwei Weichenstellungen zementierten die Position. Erstens fehlte der Schweiz bis 1907 ein wirksamer Stoffpatentschutz, was Basler Firmen erlaubte, in Deutschland patentierte Verfahren nachzubauen und Kapital aufzubauen. Zweitens blieb das Kapital in der Region: die Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz zu Novartis 1996 und die Roche-Familienaktionäre hielten Hauptsitze, Forschung und Konzernfunktionen in Basel statt sie zu verlagern.
Wer sitzt heute in der Region?
Den Kern bilden Roche mit dem Hauptsitz und den Bauten 1 und 2 im Kleinbasel sowie Novartis mit dem Campus St. Johann. Dazu kommen Lonza, Bachem in Bubendorf, Idorsia in Allschwil, Basilea in Allschwil, Mepha in Basel, die Universität Basel und das Departement Biosysteme der ETH Zürich, das in Basel angesiedelt ist.
Wichtiger als die Grossen ist die Tiefe: Auftragshersteller, Sterilabfüller, Analytiklabors, Verpackungsspezialisten, Zulassungsberatungen und Personalvermittler sitzen im gleichen Umkreis. Wer in Basel ein Projekt startet, findet Lieferanten und Fachpersonal, ohne Reisezeit einzuplanen. Das ist der eigentliche Clustereffekt.
Ein verbreitetes Missverständnis: Swissmedic sitzt nicht in Basel, sondern in Bern. Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das über die Aufnahme in die Spezialitätenliste entscheidet, ist in Bern. Die Nähe zum Cluster ersetzt keine Behördenbeziehung.
| Unternehmen | Standort | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Roche | Basel (BS) | Hauptsitz, Onkologie, Diagnostik, Forschung |
| Novartis | Basel (BS), Campus St. Johann | Hauptsitz, Forschung, Konzernfunktionen |
| Lonza | Basel (BS), Visp (VS) | CDMO, Biologika, Wirkstoffe |
| Bachem | Bubendorf (BL) | Peptide und Oligonukleotide |
| Idorsia | Allschwil (BL) | Forschende Pharma, Nachfolgerin von Actelion |
| Basilea Pharmaceutica | Allschwil (BL) | Anti-Infektiva |
| Mepha Pharma | Basel (BS) | Generika, grösster Schweizer Generikaanbieter |
| Universität Basel und ETH D-BSSE | Basel (BS) | Life-Science-Forschung und Ausbildung |
Was ist der Standort gut, was ist er nicht?
Der Cluster liefert Fachkräfte, Zulieferer und Kapitalgeber auf kurzer Distanz, dazu einen internationalen Flughafen und eine Rheinschifffahrt für Chemikalien. Was er nicht liefert, sind günstige Flächen, günstiges Personal und freie Kapazität in der Sterilproduktion. Wer eine Fabrik plant, zahlt in Basel Höchstpreise.
Die Praxis sieht deshalb oft eine Arbeitsteilung: Konzernfunktion, Regulatory und Business Development in Basel oder Zug, Produktion im Aargau, im Wallis oder im Tessin, Logistik bei einem Grosshändler im Mittelland. Für eine Landesgesellschaft mit zehn Mitarbeitenden ist Basel eine gute Wahl, für ein Werk mit dreihundert selten die günstigste.
- Stärken: Fachkräftedichte, Zulieferernetz, Nähe zu Investoren, trinationaler Arbeitsmarkt mit Elsass und Südbaden
- Stärken: kurze Wege zu Auftragsherstellern, Prüflabors und Regulatory-Beratung
- Schwächen: hohe Löhne und Mieten, Wettbewerb um erfahrene Fachpersonen mit Roche und Novartis
- Schwächen: knappe Sterilkapazität, lange Vorlaufzeiten bei Bauprojekten
- Neutral: Behördennähe bringt nichts, da Swissmedic und BAG in Bern sitzen
Was braucht ein Markteintritt in der Region?
Ein Standort in Basel ersetzt keine Zulassung. Für den Schweizer Markt braucht ein ausländischer Hersteller eine Zulassungsinhaberin mit Sitz oder Vertretung in der Schweiz, je nach Tätigkeit eine Betriebsbewilligung von Swissmedic und eine fachtechnisch verantwortliche Person. Die Adresse in Basel ist Standortwahl, nicht Regulierungsschritt.
Sinnvoll ist die Region, wenn Sie Forschungskooperationen, Lizenzgeschäft oder Auftragsherstellung suchen. Für reinen Marktzugang genügt oft ein Partner, der Zulassung, Bewilligung und Vertrieb bündelt, unabhängig davon, in welchem Kanton er sitzt.
- Ziel klären: Forschungsstandort, Konzernfunktion, Produktion oder reiner Marktzugang
- Kanton nach Kostenstruktur und Funktion wählen, nicht nach Prestige
- Zulassungsinhaberin und Betriebsbewilligung unabhängig vom Standort klären
- Zulieferer und Auftragshersteller vor der Standortwahl anfragen, Kapazität ist der Engpass
- Bei Kassenzulassung das BAG-Preisdossier von Anfang an mitplanen
Häufige Fragen
Welche Pharmafirmen sind in Basel?
In Basel-Stadt und Basel-Landschaft sitzen unter anderem Roche, Novartis, Lonza, Mepha Pharma, Bachem in Bubendorf, Idorsia und Basilea Pharmaceutica in Allschwil sowie Alcon und Straumann. Dieses Verzeichnis listet alle erfassten Unternehmen der beiden Kantone auf den Kantonsseiten.
Ist Basel der grösste Pharmastandort Europas?
Nach Wertschöpfung pro Einwohner und nach Dichte an Pharmahauptsitzen gilt die Region als einer der führenden Cluster Europas. Absolut gemessen an Beschäftigten sind Grossräume wie Rhein-Main oder Irlands Produktionscluster vergleichbar gross. Die Besonderheit Basels ist die Kombination von Hauptsitzen, Forschung und Zulieferern auf kleinem Raum.
Muss ich für den Schweizer Markt in Basel präsent sein?
Nein. Für den Marktzugang zählt eine Zulassungsinhaberin mit Sitz oder Vertretung in der Schweiz, nicht der Kanton. Viele erfolgreiche Markteintritte nutzen einen Partner im Mittelland oder im Tessin. Basel lohnt sich vor allem für Forschung, Lizenzgeschäft und Konzernfunktionen.
Gehören Elsass und Südbaden zur Basel Area?
Wirtschaftlich ja, rechtlich nein. Der Arbeitsmarkt ist trinational, viele Beschäftigte pendeln aus Frankreich und Deutschland. Für Zulassung, Betriebsbewilligung und Marktzugang gilt jedoch ausschliesslich schweizerisches Recht, sobald ein Produkt in der Schweiz in Verkehr gebracht wird.